Air Berlin

Evaluation der Air Berlin-Transfergesellschaft

Ausgangslage
Die Insolvenz von Air Berlin im Sommer letzten Jahres und die daran anschließende Diskussion über das Zustandekommen einer Transfergesellschaft wurden mit großer medialer Aufmerksamkeit begleitet. Ähnlich wie bei der Insolvenz der Praktiker/Max Bahr-Gruppe ist dabei ein Unternehmen von hoher öffentlicher Bekanntheit betroffen.

Im Vergleich zu anderen Transferprojekten weist die Transfergesellschaft von Air Berlin eine Besonderheit bezüglich ihrer Finanzierung auf. Die Insolvenz bot wegen der Unternehmensstandorte in verschiedenen Bundesländern ungünstige Voraussetzungen, die allerdings für überregionale Unternehmen in der Insolvenz typisch sind. Beispielweise war das Transferprojekt zu Schlecker an der Nichteinigung über eine öffentliche Beteiligung in den bundesländerübergreifenden Verhandlungen gescheitert. Auch bei Air Berlin waren die politischen Verhandlungen um eine Finanzierungsbeteiligung der öffentlichen Hand schwierig. Im Unterschied zu Schlecker hat sich im Fall Air Berlin der Berliner Senat zu einer Finanzierungsbeteiligung an der Transfergesellschaft verpflichtet.

Im November des letzten Jahres hat die Transfergesellschaft für ca. 1.700 der ehemals ca. 8.500 Beschäftigte ihre Arbeit aufgenommen. Ihre Laufzeit beträgt sechs Monate. Die Transfergesellschaft wird von einem Trägerverbund aus drei Trägern durchgeführt, deren Arbeit eine zentrale Koordinierungsstelle abstimmt.

Ziel des Projekes
Mit dem Projekt werden zwei Ziele verfolgt: Das erste Ziel ist die Messung der arbeitsmarktpolitischen Wirksamkeit des Transfergesellschaft. Das zweite Ziel setzt an den besonderen Rahmenbedingungen dieses Verbund-Transferprojekts an, es beinhaltet eine Untersuchung der Zusammenarbeit der Träger sowie der Funktion der öffentlichen Förderung durch das Land Berlin.

Die Synthese der Befunde zu beiden Forschungsziele soll dazu beitragen, die öffentliche Debatte um zukünftige Transferfälle zu objektivieren und Argumente zur Wirksamkeit von Transferprojekten mit dem Aspekt der finanziellen Unterstützung aus Landesmitteln ins Verhältnis zu setzen.

Methodisches Herangehensweise:
Entsprechend der Zielstellung kombiniert das Projekt eine quantitative mit einer qualitativen Forschungsstrategie.
Kern der quantitativen Forschungsarbeiten ist eine schriftliche Breitenbefragung der Teilnehmerinnen der Transfergesellschaft. Der Fragebogen konzentriert sich auf die Deskription der Wirksamkeit der Beratung und Vermittlung, er erhebt den Verbleib der Teilnehmer/innen auf dem Arbeitsmarkt, Zufriedenheitsindikatoren sowie Daten zu sozialen und arbeitsmarktlichen Risiken des Übergangs in neue Beschäftigung.

Die qualitative Vorgehensweise besitzt eine doppelte Zielsetzung: Zum einen stellt sie auf die Rekonstruktion der Verhandlung und das Zustandekommen dieses Transferprojekts ab, wobei ein besonderes Augenmerk auf der Rolle des Berliner Senats liegt. Zum anderen untersucht das Projekt in punktueller Form die Praxis der Transferberatung. Dieser zweite Aspekt steht in enger Verbindung zur qualitativen Untersuchung und deren Befunde, die an dieser Stelle mittels qualitativer Methoden vertieft werden können. Die zentrale Methode der qualitativen Untersuchung ist das halbstandardisierte Experteninterview. Zielpersonen sind Vertreter der Koordinierungsstelle, der Insolvenzverwaltung, des Berliner Senats, der Arbeitsverwaltung, Gewerkschaften sowie der beteiligten Träger. Die Interviews werden ergänzt durch eine Dokumentenanalyse.

Laufzeit:
02/2018 bis 06/2019

Förderung:
Trägerverbund der Air Berlin-Transfergesellschaften

Projektverantwortung:
Gernot Mühge

Projektmitarbeit:
Julia Massolle

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